SC Paderborn: Stadionführer für die Home Deluxe Arena
Fünfzehntausend Plätze — nach Elversberg das kleinste Bundesligastadion. Dazu zweihundert Quellen im Zentrum und der kürzeste Fluss Deutschlands.
Ein kleiner Verein, der immer wiederkommt
Paderborn hat die letzten fünfzehn Jahre etwas getan, was im deutschen Fußball fast niemandem gelingt: wiederholt zwischen erster, zweiter und dritter Liga zu wechseln und jeden Absturz heil zu überstehen.
In den 2010ern ging es einmal binnen zweier Spielzeiten von der Bundesliga in die dritte Liga und danach den ganzen Weg zurück. Für eine Stadt mit 155.000 Einwohnern, einem Fünfzehntausenderstadion und ohne vermögenden Träger ist das eine beachtliche Bilanz, und sie ist der Grund, warum sich das Publikum hier lohnt.
Für angereiste Stadionsammler ist der Reiz einfacher: Es ist eines der kleinsten Stadien der ersten Liga, und das heißt, man ist nah am Fußball, auf eine Weise, wie man es in Dortmund oder München nicht ist.
Anreise
- Mit dem Bus: das Stadion liegt am nördlichen Stadtrand, am Spieltag fahren Sonderlinien ab Zentrum und Bahnhof.
- Mit dem Zug: Paderborn Hauptbahnhof liegt an der Strecke zwischen Ruhrgebiet und Hannover, das Stadion fügt sich also natürlich in eine nordwestdeutsche Route.
- Ticket und Nahverkehr: wie bei den meisten deutschen Stadien gilt die Eintrittskarte am Spieltag im Nahverkehr.
Tickets
Das deutsche Muster: kein Dokument verlangt, aber eine Schlange hinter Dauerkarteninhabern und Mitgliedern, freier Verkauf einige Wochen vor der Partie. Beim Verein kaufen.
Fünfzehntausend Plätze sind für ein Bundesligaspiel sehr wenig. Wenn Bayern, Dortmund, Schalke oder Köln kommen, bringen sie einen Auswärtsanhang mit, der für ein viermal größeres Stadion bemessen ist. Diese Partien als schwierige Tickets behandeln und den Verkaufstermin finden. Die ruhigere Hälfte des Spielplans ist wirklich zu bekommen und die vernünftige Art, dieses Stadion zu sammeln.
Wo die Gästefans stehen
Gästefans bekommen den Anteil, den die Ligavorgaben verlangen, was in einem Fünfzehntausenderstadion ein spürbarer Teil des Ganzen ist. Die Regelung wird pro Spiel festgelegt — für die eigene Partie prüfen.
Neutrale nehmen eine Seitentribüne und sind überall nah dran.
Das Stadion
Die Home Deluxe Arena wurde im Juli 2008 eröffnet und ersetzte das alte Hermann-Löns-Stadion. Vier Tribünen, fünfzehntausend Plätze, reines Fußballstadion, in jeder Dimension bescheiden.
Der kommerzielle Name hat wie überall mehr als einmal gewechselt. Vorher hieß der Bau Energieteam Arena und Benteler-Arena; verstanden wird hier jeder davon.
Nicht mit Spektakelerwartung herkommen. Herkommen, weil ein kleines, enges Erstligastadion immer seltener wird — und weil fünfzehntausend Menschen in einem kompakten Kessel an einem guten Tag besser klingen als vierzigtausend in einem halbleeren.
Auf der Haupttribüne sitzt ein nachträglicher Oberrang, weshalb der Bau von innen höher wirkt, als es die Kapazität nahelegt.
Warum kleine Stadien für eine Sammlung zählen
Paderborn ist ein guter Ort für ein Argument, um das diese Serie seit einer Weile kreist.
Eine Liste nur aus den großen Stadien — Dortmund, München, Schalke, Hamburg — ist eine Liste von Bauten, die einander stark ähneln: große moderne Kessel, dreißig Reihen von der Auslinie entfernt, ausgezeichnete Ausstattung, an guten Tagen ordentliche Stimmung. Sie sind sehenswert. Sie sind nicht das, was eine Sammlung interessant macht.
Interessant macht sie die Spannweite: einundachtzigtausend in Dortmund und fünftausendfünfhundert bei Raków; ein Solardach in Freiburg und eine Laufbahn in Ostrava; eine Kurve nur für Mitglieder in Bremen und ein Eckkontingent von sechshundert in Žilina. Fünfzehntausend in Westfalen gehören genau deshalb in diese Spannweite, weil sie klein sind.
Dasselbe gilt für Ligen, und Paderborn ist der Beleg: Dieser Verein war binnen eines Jahrzehnts in allen drei nationalen Spielklassen, im selben Gebäude. Wer eine deutsche Sammlung auf die aktuellen achtzehn Bundesligastadien beschränkt, lässt Herthas Olympiastadion, Kaiserslauterns Betzenberg, Nürnberg, Bochum, Dresden und St. Paulis Millerntor aus — von denen mehrere bessere Tage sind als die Vereine, die gerade darüber stehen. Die zweite Liga ist in Deutschland keine Trostklasse. Dort sitzt in jeder Saison ein guter Teil des besten Publikums des Landes, und die Vereine tauschen fortlaufend die Plätze.
Die praktische Fassung desselben Gedankens: An den Blick aus einem Fünfzehntausenderstadion erinnert man sich länger als an den aus Reihe 48 eines Sechzigtausenderstadions.
Essen und Trinken im Stadion
Bratwurst, Currywurst, Brezeln und Bier in voller Stärke, mit westfälischem Einschlag — dazu Mettwurst und dunkles Brot.
Bezahlt wird mit der Stadionkarte: bei der Ankunft aufladen, danach auszahlen lassen. Auf Bechern liegt Pfand.
Paderborn vor dem Spiel
Was man sich ansehen kann
- Das Paderquellgebiet — der Grund, warum es diese Stadt gibt und warum sie so heißt. Über zweihundert Quellen treten in einem Park mitten in Paderborn aus und bilden die Pader, die nach rund vier Kilometern in die Lippe mündet und damit der kürzeste Fluss Deutschlands ist. Man kann an der Stelle stehen, an der ein Fluss anfängt, und das bieten die wenigsten Städte.
- Der Dom — und in seinem Kreuzgang das Dreihasenfenster, ein Maßwerk aus drei Hasen, die sich drei Ohren so teilen, dass jeder Hase zwei zu haben scheint. Das Wahrzeichen der Stadt und ein wirklich kluges Stück mittelalterlicher Steinmetzarbeit.
- Das Heinz Nixdorf MuseumsForum — das größte Computermuseum der Welt, das fünftausend Jahre von der Keilschrift bis heute abdeckt. Erheblich besser, als es klingt, und in einer Stadt dieser Größe unerwartet.
- Schloss Neuhaus — ein Renaissance-Wasserschloss am Stadtrand mit Gartenanlage.
Was man essen und trinken kann
- Westfälischer Schinken — über Buche und Wacholder geräuchert, dünn geschnitten, mit dunklem Brot.
- Pumpernickel — das sehr dunkle, sehr dichte Roggenbrot dieser Region.
- Grünkohl mit Mettwurst — im Winter.
- Pickert — das Kartoffelbrot dieser Ecke Westfalens, mit Butter, Marmelade oder Rübenkraut.
Häufige Fragen
Wie schwierig ist ein Ticket?
Schwieriger, als das Profil des Vereins vermuten lässt, allein weil das Stadion fünfzehntausend Plätze hat. Den Verkaufstermin im Blick behalten.
Lohnt die Stadt die Reise?
Für einen Nachmittag ja — die Quellen und das Computermuseum sind beide wirklich ungewöhnlich. Für ein Wochenende lieber im Ruhrgebiet oder in Hannover einquartieren und herüberfahren.
Was liegt in der Nähe?
Die Ruhrgebietsstadien liegen rund anderthalb Stunden westlich, womit Paderborn eine sinnvolle Ergänzung einer Dortmund- oder Schalke-Reise ist statt eines eigenen Ziels.
Fünfzehntausend Plätze, zweihundert Quellen und der kürzeste Fluss Deutschlands. Setz Paderborn auf deine Bucket List und häng es an ein Ruhrgebiets-Wochenende.
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