FC Augsburg: Stadionführer für die WWK Arena
Ein geothermisch beheiztes Stadion, eine Römerstadt — und die Fuggerei, deren Jahresmiete seit 1521 unverändert ist und heute 88 Cent beträgt.
Anreise
- Mit der Straßenbahn: das Stadion wird direkt aus der Innenstadt bedient, rund zwanzig Minuten Fahrt.
- Aus München: etwa vierzig Minuten mit dem Zug. Augsburg ist von München aus bequem ein Tagesausflug und das naheliegende zweite bayerische Stadion.
- Ticket und Nahverkehr: wie bei den meisten deutschen Stadien gilt die Eintrittskarte am Spieltag im Nahverkehr.
Tickets
Das deutsche Muster: kein Dokument verlangt, eine Schlange hinter Dauerkarteninhabern und Mitgliedern, freier Verkauf einige Wochen vor dem Spiel. Beim Verein kaufen.
Augsburg ist ein mittelgroßer Verein in einer mittelgroßen Stadt mit dreißigtausend Plätzen, gewöhnliche Ligaspiele sind meist zu bekommen. Die Ausnahme steht im nächsten Abschnitt.
Das bayerische Derby, das keines ist
Augsburg gegen Bayern München ist geografisch das Nächste, was die Bundesliga an einem bayerischen Derby hat — vierzig Minuten auseinander — und die Augsburger nehmen es erheblich ernster als München.
Praktisch heißt das: Diese Partie ist ausverkauft und erreicht den freien Verkauf nicht in nennenswerter Menge. Jedes andere Heimspiel ist ein realistisches Ziel.
Wo die Gästefans stehen
Gästefans haben einen eigenen Bereich mit dem Kontingent, das die Ligavorgaben verlangen, ein Teil davon stehend. Die Regelung wird pro Spiel festgelegt, also für die eigene Partie prüfen. Neutrale nehmen eine Seitentribüne.
Das Stadion
Die WWK Arena wurde 2009 eröffnet, reines Fußballstadion ohne Laufbahn, vier überdachte Tribünen und gut dreißigtausend Plätze einschließlich eines erheblichen Stehbereichs.
Ihr Kennzeichen sieht man vom Rang aus nicht. Der Bau wurde für geothermische Beheizung ausgelegt — Wärme aus der Tiefe statt Verbrennung — und galt seinerzeit als erstes klimaneutrales Stadion der Bundesliga. Zusammen mit Freiburgs Solardach und Bremens Photovoltaikfassade ist das ein deutsches Muster, dem die meisten europäischen Ligen nichts Vergleichbares entgegensetzen.
Ein Verein, der spät kam und blieb
Augsburg ist eine der ältesten Städte des Landes und einer der jüngsten Bundesligavereine. 1907 gegründet, verbrachte der FCA über hundert Jahre, ohne die erste Liga je zu erreichen, in Regional- und Zweitligen, während jeder andere bayerische Verein von Rang darüber kam und ging.
2011 stieg er auf — und tat dann das Schwierigere: bleiben. Über ein Jahrzehnt durchgehende Bundesliga folgte, mit einem der kleineren Etats der Liga, ohne vermögenden Träger und ohne 50+1-Ausnahme.
Das gehört gesagt, weil diese Serie inzwischen mehrere Vereine beschrieben hat, die über Geld nach oben kamen: Leipzig, Hoffenheim, auf eigene Weise Leverkusen. Augsburg kam hoch, indem es hundert Jahre ordentlich geführt wurde und dann gut war. Der unglamouröseste Weg, und mit Abstand der seltenste.
Für Besucher ergibt das ein Publikum, das nicht vergessen hat, wie die unteren Ligen waren — in einem Stadion, das für einen gerade erst angekommenen Verein gebaut wurde.
Essen und Trinken im Stadion
Bayerische Verpflegung, also besser als der deutsche Durchschnitt: Weißwurst, Bratwurst, tellergroße Brezn und Bier in voller Stärke, halbliterweise.
Bezahlt wird mit der Stadionkarte: bei der Ankunft aufladen, danach auszahlen lassen. Auf Bechern liegt Pfand.
Augsburg vor dem Spiel
Was man sich ansehen kann
Augsburg ist über zweitausend Jahre alt und wird von München gründlich überstrahlt — was die Gelegenheit für Besucher ist:
- Die Fuggerei — 1521 von Jakob Fugger gestiftet, dem Bankier, der Kaiser finanzierte, als Wohnraum für bedürftige Augsburger. Sie ist weiterhin in Betrieb, verlangt weiterhin die ursprüngliche Jahresmiete — einen Rheinischen Gulden, heute mit 88 Cent angesetzt — und von den Bewohnern wird weiterhin das tägliche Gebet für die Stifterfamilie erwartet. Fünfhundert Jahre ununterbrochener Betrieb machen sie zur ältesten Sozialsiedlung der Welt, und man kann hindurchgehen.
- Die Wasserwirtschaft — Kanäle, Wassertürme und Brunnen, ab dem vierzehnten Jahrhundert gebaut, stehen auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Stadt hat mehr Brücken als Venedig, und die Einheimischen bringen diese Zahl gern an.
- Rathaus und Goldener Saal — ein Renaissancerathaus mit vergoldetem Festsaal, nach dem Krieg wiederhergestellt.
- Römisches Museum und Dom — die Stadt wurde als Augusta Vindelicorum unter Augustus gegründet, und die Schichten sind noch sichtbar.
Was man essen und trinken kann
Schwäbisch-bayerisch, auf der Grenze zwischen beidem:
- Zwiebelrostbraten — mit Röstzwiebeln und Spätzle.
- Maultaschen — schwäbisch und hier überall.
- Weißwurst mit süßem Senf und Brezn, traditionell vor zwölf.
- Augsburger — die hiesige Wurst, gröber als eine Weißwurst und gegrillt.
Häufige Fragen
Passt das gut zu München?
Die beste Kombination Bayerns — vierzig Minuten. Wenn Bayern und Augsburg an einem Wochenende zu Hause spielen, sind das 105.000 Plätze und eine Hotelbuchung.
Ist die Fuggerei wirklich noch in Betrieb?
Ja. Dieselbe Miete seit 1521, dieselben Bedingungen, weiterhin bewohnt. Eines der bemerkenswertesten Dinge des Landes — und außerhalb Deutschlands kennt es fast niemand.
Wie schwierig ist ein Ticket?
Bei den meisten Partien unkompliziert — eines der besser erreichbaren Bundesligatickets und eine vernünftige Wahl für ein erstes Spiel. Unmöglich gegen Bayern, schwierig gegen Dortmund.
Ein geothermisch beheiztes Stadion, eine Römerstadt und fünfhundert Jahre Achtundachtzig-Cent-Miete. Setz die WWK Arena auf deine Bucket List und kombiniere sie mit München.
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