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Stadionguide

TSG Hoffenheim: Stadionführer für die PreZero Arena

Der Verein, der seine 50+1-Ausnahme im November 2024 zurückgab — und ein Technikmuseum nebenan, auf dessen Dach Concorde und Tu-144 stehen.

6 Min. Lesezeit Fakten zuletzt geprüft am 30.08.2026
Kurz gefasst. Die TSG Hoffenheim spielt in der PreZero Arena in Sinsheim, rund 30.150 Plätze. Das Dorf, nach dem der Verein heißt, hat etwa dreitausend Einwohner. Ein Jahrzehnt lang hielt Hoffenheim eine Ausnahme von der 50+1-Regel — und hat sie im November 2024 zurückgegeben, womit die Stimmenkontrolle an die Mitglieder zurückging. Die meisten Quellen sind da nicht auf dem Stand.
Die PreZero Arena von außen: ein niedriger grauer Bau mit perforierter Metallhaut und geschwungener weißer Dachkante, an der Fassade der Schriftzug PreZero Arena und daneben ein großes SAP-Logo, davor Hecken und junge Bäume
Die PreZero Arena, 2009 auf freiem Feld bei Sinsheim eröffnet. Das SAP-Logo an der Fassade ist kein Zufall — der Mitgründer des Unternehmens hat den Verein zwei Jahrzehnte finanziert. Foto von PreZero, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Die vierte Position zu 50+1

Diese Serie hat drei Arten beschrieben, wie ein deutscher Verein zur Eigentumsregel stehen kann. Hoffenheim ist die vierte, und die interessanteste, weil sie sich bewegt hat.

  • Union Berlin — die Regel wie gedacht. Die Mitglieder besitzen den Verein und haben das Stadion mit eigenen Händen umgebaut.
  • RB Leipzig — der Wortlaut der Regel bei rund einundzwanzig Mitgliedern, was das Bundeskartellamt eine Umgehung genannt hat.
  • Bayer Leverkusen — eine geschriebene Ausnahme für einen Förderer von über zwanzig Jahren. Die Regel, wie sie gemeint ist.
  • Hoffenheim — im Dezember 2014 wurde dieselbe Art Ausnahme erteilt, als Dietmar Hopp, SAP-Mitgründer, der als Junge selbst hier gespielt und den Verein zwei Jahrzehnte finanziert hatte, die Stimmenmehrheit übernahm. Im November 2024 übertrug er diese Rechte an die Mitglieder zurück, und der Verein steht wieder unter 50+1.

Hoffenheim war fünfzehn Jahre lang der unbeliebteste Verein Deutschlands — ein Dorfclub, den das Geld eines Einzelnen aus der Amateurliga in die Bundesliga hob, und Ziel einiger wirklich hässlicher Kampagnen. Was auch immer man vom Weg hierher hält: Der Verein steht heute unter derselben Eigentumsregel wie alle anderen, freiwillig.

Anreise

Als Erstes die Geografie: Der Verein heißt Hoffenheim, das Stadion steht in Sinsheim, rund sechs Kilometer entfernt, weil das Dorf einen Bau dieser Größe nie hätte tragen können.

  • Mit dem Zug: die Station Sinsheim Museum/Arena bedient das Stadion direkt.
  • Aus Heidelberg: rund eine halbe Stunde, und Heidelberg ist das deutlich bessere Quartier — eine der schönsten Städte des Landes, eine kurze Fahrt entfernt.
  • Aus Stuttgart oder Frankfurt: jeweils etwa eine Stunde.
  • Ticket und Nahverkehr: wie bei den meisten deutschen Stadien gilt die Eintrittskarte am Spieltag im Nahverkehr.

Tickets

Das deutsche Muster: kein Dokument verlangt, eine Schlange hinter Dauerkarteninhabern und Mitgliedern, freier Verkauf einige Wochen vorher. Beim Verein kaufen.

Hoffenheim hat gemessen an der Stadiongröße die kleinste natürliche Anhängerbasis aller Vereine dieser Serie — dreißigtausend Plätze für ein Dorf und eine kleine Stadt. Gewöhnliche Partien gehören zu den leichtesten Tickets der Bundesliga, was diesen Ort zur vernünftigen Wahl macht, wenn man ein deutsches Stadion ohne Kampf um die Karte will.

Wo die Gästefans stehen

Gästefans bekommen das Kontingent, das die Ligavorgaben verlangen, und der Auswärtsanhang übertönt hier häufig das Heimpublikum. Die Regelung wird pro Spiel festgelegt. Neutrale nehmen eine Seitentribüne.

Das Stadion

Die PreZero Arena wurde 2009 eröffnet, eigens für die Ankunft des Vereins in der Bundesliga. Dreißigtausend Sitzplätze, vollständig überdacht, modern, bequem und ehrlich in dem, was sie ist: ein Stadion, gebaut, weil ein Verein plötzlich eines brauchte, an einem Ort, der nie eines hatte.

Bei einer gewöhnlichen Partie sind Lücken auf den Rängen zu erwarten, und die Stimmung kommt zu einem erheblichen Teil aus dem Gästeblock. Das ist der Tausch hier, und man sollte ihn vorher kennen und nicht hinterher.

Essen und Trinken im Stadion

Bratwurst, Currywurst, Brezeln und Bier in voller Stärke, dazu badischer Wein. Bezahlt wird mit der Stadionkarte: bei der Ankunft aufladen, danach auszahlen lassen. Auf Bechern liegt Pfand.

Sinsheim und der Kraichgau vor dem Spiel

Das Dach des Technik Museums Sinsheim: eine Concorde der Air France und eine sowjetische Tupolew Tu-144, beide steigend mit der Nase nach oben montiert, daneben eine Tu-134 der Malev, darunter die Museumshalle und ihr Parkplatz
Concorde und Tupolew Tu-144 auf dem Museumsdach, mit der Nase nach oben montiert, daneben eine Tu-134. Man kann in beide Überschallflugzeuge hineingehen — dieses Paar gibt es nirgends sonst auf der Welt. Foto von Dr. Thomas Liptak, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Was man sich ansehen kann

Das ist der Teil, der aus einer gewöhnlichen Partie einen richtigen Tag macht — und er liegt direkt neben dem Stadion:

  • Das Technik Museum Sinsheim — ein riesiges Technikmuseum wenige Gehminuten vom Stadion, mit hunderten Autos, Lokomotiven und Flugzeugen. Auf dem Dach, steigend montiert, stehen eine Concorde und eine Tupolew Tu-144 — der einzige Ort der Welt, an dem man an einem Nachmittag durch beide Überschallverkehrsflugzeuge gehen kann.
  • Heidelberg — eine halbe Stunde entfernt: Schloss über dem Neckar, Alte Brücke, die älteste Universität des Landes. Wer ein Wochenende bleibt, bleibt dort.
  • Der Kraichgau — das sanfte Hügelland um Sinsheim, voller Weindörfer und Burgen, angenehm zu fahren oder zu radeln.
  • Speyer — vierzig Minuten westlich, mit dem romanischen Kaiserdom auf der UNESCO-Liste und einem Schwestermuseum.

Was man essen und trinken kann

  • Maultaschen — schwäbisch und auch hier auf jeder Karte.
  • Flammkuchen — mit Crème fraîche, Zwiebeln und Speck.
  • Zwiebelkuchen mit Neuem Wein im Herbst.
  • Badischer Wein — Riesling und Spätburgunder aus den umliegenden Hügeln.

Häufige Fragen

Gehört Hoffenheim noch Dietmar Hopp?

Nicht in dem Sinn, auf den es ankommt. Er hat die Stimmenmehrheit im November 2024 an die Mitglieder zurückübertragen, der Verein steht wieder unter 50+1. Ältere Quellen sagen anderes.

Steht das Stadion wirklich in Hoffenheim?

Nein — in Sinsheim, rund sechs Kilometer entfernt. Das Dorf Hoffenheim hat etwa dreitausend Einwohner und kein Stadion.

Werde ich als Besucher schlecht behandelt?

Nein. Die Feindseligkeit gegen Hoffenheim richtet sich gegen die Entstehung des Vereins und kommt von organisierten Fangruppen anderer Klubs, nicht von den Leuten auf dem Rang. Die Ordner sind professionell, das Heimpublikum unauffällig, und ein neutraler Gast hat hier einen völlig unkomplizierten Nachmittag.

Lohnt es sich?

Für die Ticketverfügbarkeit und das Technikmuseum nebenan: ja. Für die Stimmung ist das das schwächste Stadion der Bundesliga, und etwas anderes zu behaupten wäre unehrlich.

Eine Concorde auf einem Museumsdach, ein leichtes Ticket und der Verein, der seine 50+1-Ausnahme zurückgegeben hat. Setz Sinsheim auf deine Bucket List und übernachte in Heidelberg.