Hannover 96: Stadionführer für das Niedersachsenstadion
Ein Wall aus dem Schutt der zerbombten Stadt, der letzte Pokalsieg eines Zweitligisten — und ein roter Strich auf dem Gehweg, der einen durch die Stadt führt.
Ein Stadion aus Trümmern
Hannover wurde sehr schwer bombardiert. Als die Stadt Anfang der Fünfziger ein Stadion bauen wollte, hatte sie von einem Material enorme Mengen und von Geld sehr wenig — also entstand die Form, indem Schutt der zerstörten Stadt aufgeschüttet und die Ränge in den entstandenen Wall gesetzt wurden.
Sehen kann man es heute nicht mehr — für die Weltmeisterschaft 2006 wurde neu gebaut, und es ist ein moderner geschlossener Kessel für neunundvierzigtausend — aber es ist der Grund, warum das Stadion dort und so liegt. Mehrere deutsche Stadien haben eine Fassung dieser Geschichte; das hier ist die deutlichste.
Mit dem Namen ist es wie überall: Offiziell steht ein Sponsor darauf, und alle sagen Niedersachsenstadion.
Der Pokal, den sonst niemand von unten geholt hat
1992 gewann Hannover 96 den DFB-Pokal als Zweitligist, im Finale gegen Borussia Mönchengladbach. Es bleibt das letzte Mal, dass ein Zweitligist den Pokal geholt hat.
Dazu kommen die Meisterschaften von 1938 und 1954. Bekannt ist der Verein für nichts davon — die letzten zwei Jahrzehnte waren ein langsames Pendeln zwischen den Ligen — und genau diese Lücke zwischen Geschichte und Tabellenplatz macht ein Stadion besuchenswert.
Anreise
- Mit der Stadtbahn: das Stadion liegt nah am Zentrum am Maschsee und wird direkt bedient. Zehn Minuten ab Hauptbahnhof.
- Zu Fuß: rund eine halbe Stunde vom Bahnhof durch die Innenstadt und am See entlang — die bessere Ankunft.
- Mit dem Zug: Hannover ist einer der wichtigsten Bahnknoten des Landes. Berlin, Hamburg, das Ruhrgebiet und Frankfurt liegen direkt und schnell.
- Ticket und Nahverkehr: wie bei den meisten deutschen Stadien gilt die Eintrittskarte am Spieltag im Nahverkehr.
Tickets
Das deutsche Muster: kein Dokument verlangt, erst Dauerkarteninhaber und Mitglieder, freier Verkauf einige Wochen vorher. Beim Verein kaufen.
Neunundvierzigtausend Plätze in der zweiten Liga setzen Hannover in die nützliche Gruppe mit Hertha, Nürnberg und Kaiserslautern: ein großes Stadion, in das man hineinkommt. Die meisten Partien sind unkompliziert.
Die Ausnahme ist Braunschweig — siehe unten.
Wo die Gästefans stehen
Gästefans bekommen ein erhebliches Kontingent, wie es die Ligavorgaben verlangen, und in einem Stadion dieser Größe kann das ein sehr großer Auswärtsanhang sein. Die Regelung wird pro Spiel festgelegt, also für die eigene Partie prüfen. Neutrale nehmen eine Seitentribüne.
Das Niedersachsenderby
Hannover gegen Eintracht Braunschweig gehört zu den härtesten Spielen des deutschen Fußballs und wird entsprechend begleitet. Eine halbe Stunde zwischen den Städten, und die Rivalität ist alt und vollkommen unironisch.
Sie erreicht den freien Verkauf nicht in nennenswerter Menge, sie ist mit Auflagen verbunden, und für einen ersten Besuch ist sie die falsche Wahl. Alles andere auf dem Spielplan ist unproblematisch.
Das Stadion
Ein sauberer, vollständig geschlossener Kessel für neunundvierzigtausend Zuschauer ohne Laufbahn, 2006 neu gebaut und durchweg bequem. Gute Sichtlinien von überall und ein großer Stehbereich hinter einem Tor.
Die Lage hilft: Das Stadion steht im Grün neben dem Maschsee, einem künstlichen See mitten in der Stadt, der Anmarsch führt also am Wasser entlang und nicht durch ein Gewerbegebiet. Nur sehr wenige Stadien dieser Größe schaffen das.
Essen und Trinken im Stadion
Niedersächsische Verpflegung: Bratwurst, Currywurst, Brezeln und Pils in voller Stärke.
Bezahlt wird mit der Stadionkarte: bei der Ankunft aufladen, danach auszahlen lassen. Auf Bechern liegt Pfand.
Hannover vor dem Spiel
Dem roten Faden folgen
Hannover hat für Besucher mit ein paar freien Stunden die beste Idee aller Städte dieser Serie. Ein roter Strich ist auf den Gehweg gemalt — der Rote Faden — und führt in rund vier Kilometern vom Hauptbahnhof an sechsunddreißig Sehenswürdigkeiten vorbei und zurück.
Man braucht keine Karte, kein Telefon und keinen Plan: aus dem Bahnhof, den Strich suchen, ihm folgen. Für Stadionsammler mit drei Stunden vor dem Anpfiff und ohne Lust, eine Stadt zu recherchieren, ist das nahezu perfekt.
Was man sich ansehen kann
- Die Herrenhäuser Gärten — einer der großen Barockgärten Europas, seit dem siebzehnten Jahrhundert weitgehend unverändert, mit einer von Niki de Saint Phalle gestalteten Grotte.
- Das Neue Rathaus — mit einem Aufzug, der schräg der Kuppelkrümmung folgt. In Europa gibt es einen zweiten dieser Art. Hinauffahren.
- Der Maschsee — der See neben dem Stadion, mit einem Weg rundherum.
- Die Nanas — Niki de Saint Phalles große, bunt bemalte Frauenfiguren am Leibnizufer, 1974 heftig umstritten und heute das Wahrzeichen der Stadt.
Was man essen und trinken kann
- Grünkohl mit Pinkel — die niedersächsische Winterinstitution, zwischen November und Februar, und ernst gemeint.
- Calenberger Pfannenschlag — die Wurstspezialität aus dem Umland.
- Lüttje Lage — der hiesige Trinktrick: ein kleines Bier und ein Korn gleichzeitig aus zwei Gläsern in einer Hand. Vorher zeigen lassen.
- Regionales Pils, kalt und in Menge.
Häufige Fragen
Wie schwierig ist ein Ticket?
Bei den meisten Partien leicht. Neunundvierzigtausend Plätze gegen Zweitliganachfrage ist ein bequemes Verhältnis.
Welches Spiel sollte ich meiden?
Braunschweig — es sei denn, man will genau das und hat es ordentlich organisiert.
Ist der rote Faden nur eine Spielerei?
Ist er, und er funktioniert trotzdem. Drei Stunden, kein Planen, sechsunddreißig Stationen, und man steht wieder am Bahnhof.
Womit lässt es sich kombinieren?
Braunschweig und Wolfsburg liegen je eine halbe Stunde entfernt, Bielefeld eine Stunde, Hamburg und Bremen sind in Reichweite. Hannover ist der beste Bahnknoten dieser Serie.
Neunundvierzigtausend Plätze in einem Wall aus dem Schutt der Stadt, der letzte Pokalsieg eines Zweitligisten — und ein roter Strich, der einen durch die Stadt führt. Setz das Niedersachsenstadion auf deine Bucket List und kombiniere es mit Wolfsburg.
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