Kostenlos starten
Stadionguide

Hertha BSC: Stadionführer für das Olympiastadion

74.500 Plätze — das größte Zweitligastadion Europas, mit über zwanzigtausend Sitzen Abstand. Und die am leichtesten zu bekommende große Karte des Landes.

7 Min. Lesezeit Fakten zuletzt geprüft am 30.08.2026
Kurz gefasst. Hertha BSC spielt im Berliner Olympiastadion, rund 74.500 Plätze — womit es mit über zwanzigtausend Sitzen Abstand das größte Stadion der zweiten Ligen Europas ist. Gebaut 1936 im Auftrag des NS-Regimes, mit Laufbahn bis heute, und die am leichtesten zu bekommende Karte für ein großes deutsches Stadion.
Das Olympische Tor am Berliner Olympiastadion: zwei hohe quadratische Steintürme mit den dazwischen hängenden olympischen Ringen, dahinter die niedrige Steinkolonnade des Rundes, Fahnen am Rand und ein leerer gepflasterter Vorplatz
Das Olympische Tor mit den Ringen zwischen den Türmen und dem steinernen Rund dahinter. Eine Stunde früher kommen und außen herumgehen — das ist die Hälfte des Besuchs, die die meisten auslassen. Foto von Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Das größte Stadion der Liga — und zwar deutlich

Zweitligafußball findet normalerweise vor fünfzehn- bis dreißigtausend Menschen statt. Hertha spielt in einem Rund für vierundsiebzigeinhalbtausend, das größer ist als jedes Bundesligastadion außer Dortmund und München.

Die Rechnung, die daraus folgt, ist das Nützlichste auf dieser Seite. Ein Zweitligist, in einem Stadion dieser Größe, in einer Stadt, in der ein großer Teil der Einwohner es mit jemand anderem hält, ergibt etwas im deutschen Fußball Seltenes: ein großes Stadion, in das man tatsächlich hineinkommt.

Im Vergleich mit dem Rest dieser Serie: Freiburg und Elversberg sind nahezu unmöglich. St. Pauli ist schlimmer. Die Dortmunder Südtribüne ist ein Projekt. Das Olympiastadion ist bei den meisten Partien eine Karte, die man kauft, wenn einem danach ist.

Der Tausch ist ehrlich und gehört vorher gesagt: Dreißig- oder vierzigtausend Menschen in einem Vierundsiebzigtausenderrund, hinter einer Laufbahn, klingen nicht wie Dortmund. Man kommt für das Bauwerk und für den leichten Zugang, nicht für den Lärm.

Das Bauwerk und wofür es gebaut wurde

Das Olympiastadion entstand zwischen 1934 und 1936 als Mittelpunkt des Reichssportfeldes, beauftragt von der NS-Regierung für die Sommerspiele 1936. Das ist keine Fußnote zur Architektur, sondern ihr Grund.

Der Bau kam fast unbeschädigt durch den Krieg, wurde zur Weltmeisterschaft 2006 saniert und war Schauplatz des Endspiels. Den Glockenturm baute 1962 Werner March wieder auf, der ursprüngliche Architekt; die gesprungene originale Olympiaglocke steht als Mahnmal auf dem Gelände und nicht als Ausstellungsstück.

Der Umgang mit Bauten dieser Art ist hier weder Abriss noch Schweigen: Das Gelände ist ausgeschildert und erklärt, die Geschichte wird benannt, und man soll hinsehen. Eine Stunde früher kommen und außen herumgehen; an spielfreien Tagen laufen Führungen, die die Zeit wert sind.

Ein Detail, das Besucher bemerken und falsch deuten: Die Laufbahn ist blau. Sie war rot, bis eine Sanierung sie in Herthas Farben umfärbte. Die Bahn selbst ist funktional echt — dies ist ein Leichtathletikstadion, und deshalb sitzt man weit vom Feld entfernt.

Anreise

  • U-Bahn: U2 bis Olympia-Stadion, dann rund 500 Meter zu Fuß.
  • S-Bahn: S3 oder S9 bis Olympiastadion, 200 bis 250 Meter entfernt und aus der Innenstadt der schnellere Weg.
  • Bus: M49, 218 und 143 bedienen das Gelände ebenfalls.
  • Ticket und Nahverkehr: wie bei den meisten deutschen Stadien gilt die Eintrittskarte am Spieltag im Nahverkehr.

Tickets

Das deutsche Muster — kein Dokument verlangt, erst Dauerkarteninhaber und Mitglieder, freier Verkauf einige Wochen vorher — aber bei vierundsiebzigtausend Plätzen und Zweitligagegnern beißt die Schlange selten.

Das ist das am leichtesten zugängliche große Stadion Deutschlands. Für eine erste Fahrt zu einem deutschen Spiel, oder für alle, die an Bundesliga-Verkaufsterminen verzweifelt sind, die vernünftige Wahl. Beim Verein kaufen.

Die Ausnahmen sind die Partien, die es füllen: das Stadtderby gegen Union, wenn beide in derselben Liga spielen, und Besuche der reisefreudigsten Anhänge der Liga. Die gehen weg.

Wo die Gästefans sitzen

Gästefans bekommen ein erhebliches Kontingent, wie es die Ligavorgaben verlangen — in einem Stadion dieser Größe kann das ein sehr großer Auswärtsanhang sein. Die Regelung wird pro Spiel festgelegt, also für die eigene Partie prüfen. Neutrale nehmen eine Längsseite — hinter den Toren setzt die Laufbahn einen weit zurück.

Das Stadion

Ein riesiges steinernes Oval, am Westende offen, wo das Marathontor den Blick zum Glockenturm rahmt. Der Oberrang ist steil, und die Aussicht von dort ist eine der besten im deutschen Fußball — gerade weil man ebenso sehr die Architektur ansieht wie das Spiel.

Wegen der Bahn sind die unteren Reihen weiter vom Geschehen entfernt als in jedem eigens gebauten Stadion dieser Serie. Wem Nähe wichtig ist, zahlt lieber für einen höheren Platz an der Seite als für einen billigen weit unten hinter dem Tor — der gegenintuitive Rat stimmt hier.

Essen und Trinken im Stadion

Vor allem Currywurst, weil Berlin, dazu Bratwurst, Brezeln und Bier in voller Stärke. Berliner Weiße — sauer, mit grünem oder rotem Sirup — findet sich in der Stadt, wenn auch nicht immer im Stadion.

Bezahlt wird mit der Stadionkarte: bei der Ankunft aufladen, danach auszahlen lassen. Auf Bechern liegt Pfand.

Berlin vor dem Spiel

Das Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel: ein neobarocker Kuppelbau an der Spitze, an der sich die Spree teilt, davor Brücken über das Wasser und links dahinter der Fernsehturm
Das Bode-Museum an der Spitze der Museumsinsel, dahinter der Fernsehturm. Fünf Museen auf einer UNESCO-Insel — und weit im Osten, das Stadion liegt im Westen. Foto von Thomas Wolf, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.

Was man sich ansehen kann

Berlin braucht kein Fußballspiel als Anlass, und das Stadion liegt weit im Westen — also den Tag in zwei Hälften planen:

  • Der Olympiapark selbst — der Glockenturm hat eine Aussichtsplattform über das ganze Gelände und die Stadt. Fünfzehn Minuten vom Stadion, und fast niemand geht hin.
  • Die Reichstagskuppel — kostenlos, aber Voranmeldung nötig. Vor der Reise erledigen.
  • East Side Gallery und Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße — das bemalte Stück ist das berühmte; die Bernauer Straße erklärt, was die Mauer tatsächlich war.
  • Die Museumsinsel — fünf Museen, UNESCO-Welterbe. Das Pergamonmuseum war lange geschlossen, also vorher prüfen, was offen ist.
  • Schloss Charlottenburg — im Gegensatz zu allem anderen auf dieser Liste wirklich nah am Stadion, und eine vernünftige Stunde vor dem Anpfiff.

Was man essen und trinken kann

  • Currywurst — wo es die beste gibt, ist Streitfall; irgendeine Bude mit Schlange reicht.
  • Döner — die heute übliche Form ist eine Berliner Erfindung der Siebziger.
  • Eisbein — mit Sauerkraut und Erbspüree, auf traditionellen Karten noch immer da.
  • Berliner Weiße — sauer, schwach, mit Himbeer- oder Waldmeistersirup.

Häufige Fragen

Ist die Laufbahn wirklich ein Problem?

Es ist eine echte Entfernung und kein Gerücht. Seitlich und hoch statt tief hinter dem Tor — dann zahlt das Stadion es zurück. Ostrava ist der einzige andere Ort dieser Serie mit demselben Problem.

Lässt sich das mit Union Berlin kombinieren?

Das ist der Sinn eines Berliner Wochenendes, und die beiden Stadien könnten unterschiedlicher nicht sein: ein Olympiarund für vierundsiebzigtausend im Westen, und ein Stadion im Wald von Köpenick, das die Mitglieder selbst umgebaut haben. Beide Spielpläne aufs selbe Wochenende prüfen.

Lohnt es sich, wenn nur zweite Liga gespielt wird?

Ja, und eher noch mehr. Das Bauwerk ist die Attraktion, die Karte ist leicht, und man bekommt selten Gelegenheit, in einem solchen Stadion herumzugehen, ohne dass ein ausverkauftes Haus im Weg steht.

Vierundsiebzigtausend Plätze, eine blaue Laufbahn und die leichteste große Karte Deutschlands. Setz das Olympiastadion auf deine Bucket List und leg Union aufs selbe Wochenende.