Union Berlin: Stadionführer für An der Alten Försterei
18.395 Stehplätze von 22.012 — rund 80 Prozent des Stadions steht, der höchste Anteil der drei höchsten Spielklassen. 2008 haben 2.300 Anhänger es in 140.000 Stunden selbst umgebaut.
Wie deutsche Ticketvergabe von außen aussieht
Diese Serie hat inzwischen mehrere Ticketsysteme verglichen, und Deutschland kommt darin anders weg, als man von innen vermuten würde. In Polen ist die Hürde ein Dokument: eine Personenkennziffer, die das Kaufformular verlangt und die ein ausländischer Besucher nicht hat. In Tschechien gibt es praktisch gar keine Hürde. In England darf man nicht einmal in Sichtweite des Spielfelds trinken.
Deutschland ist wieder etwas Drittes, und es ist das, was Auswärtige unterschätzen. Es gibt keine Karte vorzuzeigen und keine Nummer anzugeben — die meisten Vereine verkaufen an jeden. Die Hürde ist, dass man hinten in der Schlange steht.
Deutsche Vereine gehören ihren Mitgliedern. Die 50+1-Regel verlangt, dass die Mitglieder die Stimmenmehrheit behalten, weshalb ein deutscher Verein eine Mitgliederorganisation ist und kein Vermögenswert. Die Ticketvergabe folgt dieser Struktur: erst Dauerkarteninhaber, dann Mitglieder, und nur was übrig bleibt geht in den freien Verkauf — oft erst wenige Wochen vor dem Spiel.
Praktisch heißt das:
- Der Kalender zählt, nicht das Formular. Finde heraus, wann der freie Verkauf für dein Spiel öffnet, und sei an dem Tag da. Ein Kassenhäuschen, an dem man sich anstellt, gibt es nicht.
- Nicht alles ist ausverkauft. Mittelfeldpaarungen in größeren Stadien sind häufig zu bekommen. Ein Derby, ein Spitzenspiel oder ein Bayern-Besuch nicht.
- Beim Verein kaufen. Die offizielle Seite ist die günstigste und die einzige verlässlich gültige Quelle.
- Wer eine Karte bekommt, zahlt wenig. Deutscher Fußball ist im europäischen Vergleich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, Stehplätze erst recht.
Bei Union kommt eines dazu: Das Stadion ist klein, der Verein ist gefragt, und die Nachfrage übersteigt 22.000 deutlich. Behandle hier jedes Spiel als schwieriges Ticket.
Das Stadion, das die Fans gebaut haben
An der Alten Försterei wurde am 7. August 1920 eröffnet und liegt im Wald am Rand von Köpenick, im äußersten Südosten Berlins. Die jüngere Geschichte ist der Grund, warum Leute dafür anreisen.
Mitte der 2000er musste das Stadion saniert werden, und der Verein konnte keine Baufirmen bezahlen. Also machten es die Anhänger selbst. Mehr als 2.300 Freiwillige arbeiteten im Umbau 2008/09 auf der Baustelle und leisteten rund 140.000 Stunden: räumen, graben, die Ränge legen, auf denen sie später stehen würden.
Das ist keine Marketinggeschichte, die der Verein nacherzählt. Es ist der Grund, warum sich der Ort so anfühlt, wie er sich anfühlt, und warum die Waldseite — der Stehrang hinter dem Tor, im Rücken die Bäume — ein Geräusch erzeugt, das eine moderne Sitzplatzschüssel für kein Geld herstellen kann.
Ein Ausbau ist geplant; die erste Stufe würde das Stadion in Richtung 37.500 bringen. Was auch immer gebaut wird, dieses hier wird es nicht sein. Fahr jetzt hin.
Anreise
Köpenick liegt weit weg von der Berliner Mitte, und das gehört zum Charakter — man fährt durch die Stadt hinaus in den Wald.
- Mit der S-Bahn nach Köpenick, dann Tram oder zu Fuß durch den Wald zum Stadion. Das letzte Stück zu Fuß, mit der Menge, ist die richtige Art anzukommen.
- Öffentliche Verkehrsmittel dringend empfohlen — Parkplätze rund um das Stadion sind am Spieltag sehr knapp.
- Aus Polen: Berlin liegt etwa zwei Stunden von Stettin und rund fünf bis sechs von Posen entfernt. Von den achtzehn Bundesligastadien ist dieses das für polnische Besucher naheliegendste — was am Spieltag hörbar ist.
Wo die Gästefans stehen
Gästefans stehen in einer Ecke der Wuhleseite. Die Kontingente werden pro Spiel festgelegt, also für die konkrete Partie prüfen.
Als Neutraler solltest du wissen, was du kaufst: Der größte Teil dieses Stadions ist Stehplatz. Ein Stehplatzticket bedeutet neunzig Minuten stehen, dicht gedrängt, und genau dafür kommen die Leute. Wer lieber sitzt, kauft bewusst einen Sitzplatz und nicht aus Versehen.
Essen und Trinken im Stadion
Stadionverpflegung ist in Deutschland eine ernste Angelegenheit, und die bei Union ist für ihren Humor bekannt: Bratwurst und Currywurst vom Grill, Brezeln und Bier in voller Stärke in Mehrwegbechern gegen Pfand — zurückgeben oder den Becher behalten.
Die meisten deutschen Stadien arbeiten mit einem bargeldlosen Kartensystem: Man lädt eine Stadionkarte am Kiosk auf und zahlt damit statt mit Bargeld oder Bankkarte. Bei der Ankunft aufladen, am Ende das Restguthaben auszahlen lassen.
Union macht außerdem etwas, das fast niemand sonst macht: Jeden Dezember singt der Verein auf dem Rasen Weihnachtslieder, mit Zehntausenden Menschen, die im Dunkeln mit Kerzen stehen. Wenn deine Reise in die Nähe fällt, ist das der Termin.
Berlin vor dem Spiel
Was man sich ansehen kann
Köpenick ist ein echter Stadtteil und kein Stadionparkplatz, und Berlin ist Berlin:
- Die Köpenicker Altstadt — ein kleiner barocker Kern auf einer Insel, wo die Dahme in die Spree mündet, mit Schloss und dem Rathaus, das durch den Hauptmann von Köpenick von 1906 berühmt wurde.
- Der Müggelsee — der größte See Berlins, eine kurze Fahrt vom Stadion, mit Wald ringsum und Badestellen im Sommer.
- Die Berliner Mitte — Museumsinsel, Reichstagskuppel, East Side Gallery. Vierzig Minuten mit der S-Bahn und nicht der Zweck dieser Reise, aber da, wenn man will.
Was man essen und trinken kann
- Currywurst — Berlins Beitrag zur Weltküche: Wurst in Scheiben, Currysoße, Pommes. Im Stehen am Imbiss.
- Döner — die heute übliche Form wurde von türkischen Arbeitern in dieser Stadt entwickelt, und hier ist er besser als irgendwo sonst.
- Eisbein — mit Sauerkraut und Erbspüree, der alte Berliner Teller.
- Berliner Weiße — saures Weizenbier, traditionell mit grünem oder rotem Sirup. Einmal bestellen.
Häufige Fragen
Wie schwierig ist ein Ticket wirklich?
Schwierig. Zweiundzwanzigtausend Plätze, eine große Mitgliedschaft und ein Verein, der international gespielt hat. Den Termin des freien Verkaufs finden und an dem Tag bereit sein.
Stehen oder sitzen?
Stehen, wenn du neunzig Minuten in einer dichten Menge stehen kannst. Dafür ist das Stadion berühmt, und es ist billiger.
Ist das ein gutes erstes Stadion?
Für die Stimmung ja. Für die Ticketbeschaffung nein — ein größerer Verein mit einer Mittelfeldpaarung am Samstag ist das leichtere erste Ticket.
Ein Stehrang, gebaut von den Leuten, die darauf stehen. Setz An der Alten Försterei auf deine Bucket List und behalte den Verkaufstermin im Auge.
Groundhopper
Kostenlos starten