1. FC Köln: Stadionführer für das RheinEnergieStadion
Ein lebender Geißbock seit 1950, Bier im 0,2er-Glas und fünfzigtausend Menschen in guter Laune bei einem Verein, der häufig nicht gut ist.
Anreise
- Mit der Straßenbahn: Linien fahren aus der Innenstadt nach Westen und brauchen etwa zwanzig Minuten. So macht man das — und wie bei den meisten deutschen Stadien deckt die Eintrittskarte die Fahrt ab.
- Von der Haltestelle: ein kurzer Weg durch den Äußeren Grüngürtel.
- Von weiter her: Köln liegt an der europäischen Hauptachse und hat einen großen Flughafen — leichter erreichbar, als die Karte vermuten lässt.
Tickets
Das deutsche Muster: kein Dokument verlangt, aber eine Schlange hinter Dauerkarteninhabern und Mitgliedern, freier Verkauf einige Wochen vor der Partie. Beim Verein kaufen.
Köln hat eine der größten Mitgliedschaften des deutschen Fußballs und ein Stadion unter fünfzigtausend Plätzen — ein engeres Verhältnis als auf Schalke oder in Frankfurt. Gewöhnliche Partien sind mit Planung zu bekommen, das rheinische Derby nicht.
Bewusst zwischen Steh- und Sitzplatz entscheiden. Der Stehbereich hinter dem Tor ist billiger, und dort wird gesungen.
Wo die Gästefans stehen
Gästefans bekommen einen Bereich mit einem nach europäischen Maßstäben erheblichen Kontingent, wie es die Ligavorgaben verlangen. Die Regelung wird pro Spiel festgelegt — für die eigene Partie prüfen — und beim Derby wird die Trennung konsequent durchgesetzt.
Neutrale nehmen eine Seitentribüne und tragen in der Nähe dieses Stadions keine Gladbacher Farben — und in der Nähe des Borussia-Parks keine Kölner.
Das Stadion und der Geißbock
Das RheinEnergieStadion wurde Anfang der 2000er auf dem Gelände des alten Müngersdorfer Stadions neu gebaut. Vier überdachte Tribünen, knapp fünfzigtausend Plätze, und vier hohe Flutlichtmasten in den Ecken, die das Dach tragen — eine unverwechselbare Silhouette und, für einen modernen deutschen Bau ungewöhnlich, aus der Ferne wiedererkennbar.
Das Maskottchen ist ein lebender Ziegenbock namens Hennes, je nach Zählweise in neunter oder zehnter Auflage. Er hat sein eigenes Gehege am Geißbockheim, kommt vor den Spielen aufs Feld und wird mit vollem Ernst behandelt. Der Bock steht im Vereinswappen. Das ist keine Attraktion für Touristen, sondern läuft seit 1950.
Warum dieser Verein interessant ist
Köln gehört nach Mitgliederzahl zu den größten Vereinen Deutschlands und nach Ergebnissen zu den unzuverlässigsten. Der erste Bundesligatitel überhaupt, 1963/64, ging hierhin; einen großen Teil der letzten dreißig Jahre hat der Verein zwischen den Ligen verbracht, mit einem Anhang, der beim Abstieg nicht kleiner wird.
Der Klub ist mit der Stadt verwoben wie kaum ein anderer. Karneval, Dialekt und der hiesige Hang zur Selbstironie laufen durch die Ränge. Die Hymne singen fünfzigtausend Menschen, die sie ernst meinen, und das Verhältnis zwischen Verein und Stadt hängt nicht an der Tabelle.
Für Besucher ergibt das etwas Bestimmtes: ein sehr großes Publikum in sehr guter Laune bei einem Verein, der häufig nicht besonders gut ist. Wer bisher nur Stadien kennt, in denen die Stimmung am Ergebnis hängt, sollte sich das ansehen.
Essen und Trinken im Stadion
Bratwurst, Currywurst, Brezeln — und Kölsch, das einen eigenen Absatz braucht.
Kölsch kommt in der Stange, einem geraden Glas mit 0,2 Litern. In den Brauhäusern der Stadt tauscht ein Köbes das leere Glas ungefragt gegen ein volles und macht einen Strich auf den Deckel — und hört damit erst auf, wenn man den Deckel auf das Glas legt. Das ist ein System, alle kennen es, und wer „ein großes Bier" bestellt, bekommt eine Lektion in lokaler Identität.
Im Stadion wird mit der Stadionkarte gezahlt: beim Hineingehen aufladen, danach das Restguthaben auszahlen lassen.
Köln vor dem Spiel
Was man sich ansehen kann
- Der Dom — eines der großen Bauwerke Europas, direkt vor dem Hauptbahnhof. Den Südturm besteigen, wenn die Beine mitmachen.
- Rhein und Hohenzollernbrücke — hinübergehen für den klassischen Blick zurück auf den Dom.
- Die romanischen Kirchen — zwölf in der Altstadt, und weit weniger besucht als der Dom.
- Das Museum Ludwig — Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts neben dem Dom, mit einer der größten Picasso-Sammlungen überhaupt.
Ein Terminhinweis: Der Karneval hat seinen Höhepunkt in den Tagen vor Aschermittwoch, und die Stadt ist dann ein einziges Straßenfest. Entweder bewusst hinein oder bewusst darum herum planen.
Was man essen und trinken kann
- Halver Hahn — Roggenbrötchen mit einer Scheibe alten Goudas. Der Name verspricht ein halbes Hähnchen und hält es nachdrücklich nicht.
- Himmel un Ääd — Blutwurst mit Kartoffelpüree und Apfelmus.
- Rheinischer Sauerbraten — tagelang eingelegt, mit süßsaurer Rosinensoße.
- Kölsch — im Brauhaus, vom Köbes, im 0,2er-Glas, bis der Deckel auf dem Glas liegt.
Häufige Fragen
Kann ich Köln und Mönchengladbach kombinieren?
Ja — knapp sechzig Kilometer bei dichtem Takt, dazwischen liegen Leverkusen und Düsseldorf. Nach dem Ruhrgebiet die zweitbeste Ballung des Landes.
Ist der Geißbock echt?
Vollkommen echt, und das seit 1950. Jeder Hennes ist durchnummeriert, lebt am Geißbockheim und geht in den Ruhestand, statt einfach zu verschwinden.
Stehen oder sitzen?
Stehen, wenn man die Stimmung will, für die dieser Verein bekannt ist. Sitzplätze sind leichter zu bekommen.
Ein Dom, ein lebender Geißbock und Bier in Gläsern von Espressogröße. Setz das RheinEnergieStadion auf deine Bucket List und sieh nach, ob Gladbach am selben Wochenende spielt.
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