FC Bayern: Stadionführer für die Allianz Arena
U6 bis Fröttmaning und zehn Minuten über die Esplanade — die Anreise ist trivial. Das Ticket ist die längste Warteschlange des Landes.
Das schwierigste Ticket dieser Serie
Diese Serie vergleicht Ticketsysteme quer durch Europa, und die Hürde ist von Land zu Land eine andere. In Polen ist es ein Dokument — eine Personenkennziffer, die das Kaufformular verlangt und die kein Ausländer hat. In Tschechien gibt es überhaupt keine Hürde. In Deutschland ist die Hürde eine Warteschlange, und bei Bayern ist sie die längste des Landes.
Der Mechanismus ist bekannt, die Größenordnung nicht: Die Mitgliederzahl des FC Bayern liegt im sechsstelligen Bereich, und die Freigabe läuft in Wellen — Dauerkarteninhaber, dann Mitglieder, dann der Rest. Bei einem gewöhnlichen Ligaspiel bleibt meistens etwas übrig. Beim Klassiker gegen Dortmund, bei einem Champions-League-Achtelfinale oder gegen einen Gegner mit großem Auswärtsanhang geht dieser Rest gegen null.
Was praktisch zu tun ist:
- Über fcbayern.com kaufen. Der einzige verlässlich gültige Weg und mit Abstand der günstigste.
- Den Freigabetermin kennen und an dem Tag bereitstehen. Es gibt kein Kassenhäuschen und keine Schlange, in die man sich physisch stellt. Alles läuft online, nach Plan.
- Die Partie strategisch wählen. Ein Ligaspiel unter der Woche gegen einen Tabellenmittelständler ist ein realistisches Ziel. Ein Klassiker nicht.
- Vorsicht beim Zweitmarkt. Inoffizieller Weiterverkauf ist verbreitet, teuer und birgt das reale Risiko einer ungültigen Karte.
Der Trost: Wer hineinkommt, zahlt für europäische Verhältnisse erstaunlich wenig. Ein Stehplatz in der Südkurve kostet einen Bruchteil dessen, was ein vergleichbarer Sitzplatz in England oder Spanien kostet.
Anreise
- Mit der U-Bahn: U6 bis Fröttmaning — rund sechzehn Minuten ab Marienplatz. Vom Hauptbahnhof am Odeonsplatz in die U6 umsteigen.
- Vom Bahnhof zum Stadion: über die Esplanade, einen erhöhten Fußweg von etwa einem Kilometer, zehn bis fünfzehn Minuten. Am Spieltag folgt man einfach der Menge.
- Takt: Die U6 fährt an Veranstaltungstagen im dichten Takt und ist kurz vor Anpfiff sehr voll. Mehr Zeit einplanen, als der Fahrplan nahelegt.
- Gästefans werden von Fröttmaning über die Fröttmaninger Heide und die Fußgängerbrücke zum eigenen Eingang geführt. Der Beschilderung folgen, nicht der allgemeinen Menge.
Die Tore öffnen zwei Stunden vor Anpfiff, und Einlass- und Ticketkontrollen dauern. Früh da sein — hier gewinnt man durch spätes Kommen nichts.
Das Stadion
Die Allianz Arena wurde 2005 eröffnet und ist mit luftgefüllten ETFE-Kissen verkleidet, die nach Einbruch der Dunkelheit leuchten — rot für Bayern, andere Farben zu anderen Anlässen. Der Weg über die Esplanade in der Dämmerung, mit der glühenden Hülle über der Heide, ist eine der wirklich spektakulären Ankünfte im europäischen Fußball, und es lohnt sich, die Anreise danach zu legen.
Innen ein steiler dreirangiger Kessel für 75.000, vollständig überdacht, mit sehr guten Sichtlinien von fast überall. Die Südkurve ist der Heimstehbereich und der lauteste Teil des Stadions.
Eine ehrliche Einordnung gehört dazu, gerade für Besucher aus dem Ausland, die zum ersten Mal kommen: Der Verein gewinnt die meisten Wochen deutlich, und ein souveräner Heimsieg gegen einen Mittelständler erzeugt nicht die Lautstärke, die eine Kurve in Köpenick oder auf Schalke an einem gewöhnlichen Samstag erzeugt. Man kommt für die Dimension, das Bauwerk und den Anlass — nicht zwingend für die Stimmung.
Essen und Trinken im Stadion
Weißwurst, Bratwurst, tellergroße Brezn und Bier in voller Stärke, halbliterweise.
Bezahlt wird mit der Stadionkarte — bei der Ankunft am Kiosk aufladen, danach das Restguthaben auszahlen lassen. Auf Bechern liegt Pfand.
München vor dem Spiel
Was man sich ansehen kann
- Marienplatz — der zentrale Platz, mit dem Glockenspiel am Neuen Rathaus zu festen Zeiten.
- Der Englische Garten — größer als der Central Park, mit Biergärten unter den Bäumen und der stehenden Welle am Eisbach, auf der mitten in einer Binnenstadt das ganze Jahr über gesurft wird.
- Viktualienmarkt — der Lebensmittelmarkt neben dem Marienplatz, mit Biergarten in der Mitte.
- Der Olympiapark — die Anlage von 1972 mit dem Zeltdach von Frei Otto und dem Stadion, in dem Bayern bis 2005 gespielt hat. Für Stadionsammler eine Stunde wert, und ein stiller Ort des Gedenkens an das Attentat von 1972.
- Die Residenz — der Wittelsbacher Stadtpalast, innen erheblich größer, als er von der Straße aus wirkt.
Ein Hinweis, den auswärtige Besucher regelmäßig übersehen: Das Oktoberfest läuft von Ende September bis in die ersten Oktobertage. Unterkünfte sind in dieser Zeit knapp und teuer, die Stadt ist voll. Entweder bewusst darum herum planen oder bewusst hineinplanen — aber nicht zufällig hineingeraten.
Was man essen und trinken kann
- Weißwurst — mit süßem Senf und Brezn, traditionell vor zwölf. Wer von außerhalb kommt, bekommt das ohnehin gesagt.
- Schweinshaxe — mit Kruste und Knödel.
- Obatzda — der Biergartenkäse mit Paprika und Zwiebel, zur Brezn.
- Eine Maß — das Standardmaß im Biergarten. In bayerischen Biergärten darf man traditionell eigene Brotzeit mitbringen und nur die Getränke kaufen.
Häufige Fragen
Welche Partie soll ich ansteuern?
Ein Ligaspiel gegen einen Mittelständler, am besten unter der Woche. Dort gibt es Verfügbarkeit.
Lohnt die Stadiontour, wenn es kein Ticket gibt?
Ja — Arena und Vereinsmuseum sind an spielfreien Tagen geöffnet und ein vernünftiger Ersatz für eine Karte, die man nicht bekommen hat. Dasselbe ist es nicht, und dieser Text tut nicht so.
Stehen oder sitzen?
Die Südkurve ist billiger und lauter. Sitzplätze sind leichter zu bekommen.
Fünfundsiebzigtausend Menschen unter einer Hülle, die rot leuchtet, sechzehn Minuten vom Marienplatz. Setz die Allianz Arena auf deine Bucket List und behalte den Freigabetermin im Auge.
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