1. FC Heidenheim: Stadionführer für die Voith-Arena
Fünfzehntausend Plätze an einem bewaldeten Hang unter einer Burg — und derselbe Trainer seit dem 17. September 2007, Rekord im deutschen Fußball.
Ein Mann, seit 2007
Der deutsche Fußball entlässt Trainer so zügig wie jeder andere. Die durchschnittliche Amtszeit in der ersten Liga wird in Monaten gemessen.
Frank Schmidt übernahm Heidenheim am 17. September 2007, als der Verein in der fünften Liga spielte. Er war noch im Amt, als es in die zweite Liga ging, und noch im Amt, als es in die Bundesliga ging. Am 17. September 2023 — auf den Tag sechzehn Jahre später — gewann Heidenheim sein erstes Bundesligaspiel, und Schmidt stellte den Rekord für die längste Amtszeit auf, die der deutsche Fußball je gesehen hat.
Das ist die ganze Geschichte dieses Vereins, und sie ist wirklich ungewöhnlich. Es gibt hier keinen vermögenden Träger nach Art von Hoffenheim oder Leipzig. Es gibt eine kleine Stadt, eine stabile Führung und einen Trainer, dem Zeit in einer Größenordnung gegeben wurde, die es im Profifußball praktisch nicht mehr gibt.
Wer Stadien wegen der Geschichten sammelt, die an ihnen hängen, und nicht wegen der Architektur, findet hier eine der besseren in Deutschland.
Eine Werksstadt, in der die Firma den Verein nicht besitzt
Das Stadion heißt Voith-Arena nach Voith, dem 1867 in Heidenheim gegründeten Maschinenbauunternehmen, das hier weiterhin seinen Sitz hat und der größte Arbeitgeber der Stadt ist. Eine kleine deutsche Stadt, ein großes Familienunternehmen und dessen Name am Stadion.
Es wäre naheliegend, das neben Leverkusen und Wolfsburg abzulegen, und es lohnt sich, genau zu sein, warum es dort nicht hingehört. In Leverkusen hält Bayer eine geschriebene Ausnahme von 50+1. In Wolfsburg gehört der Verein Volkswagen vollständig. In Heidenheim ist das Unternehmen Sponsor, und der Verein gehört seinen Mitgliedern — genau wie bei Union Berlin oder Freiburg.
Die Unterscheidung zählt, weil man leicht vom Stadionnamen auf die Eigentümerschaft schließt. Im deutschen Fußball sagt der Name auf dem Dach, wer die Werbung bezahlt, und überhaupt nichts darüber, wer den Verein kontrolliert. Bochum hatte sechs Namen und gehörte keinem davon.
Anreise
- Mit dem Zug: Heidenheim an der Brenz liegt an der Strecke zwischen Aalen und Ulm. Keine Schnellverbindung, also mehr Zeit einplanen, als die Entfernung nahelegt.
- Aus Stuttgart: rund anderthalb Stunden. Aus Ulm unter einer Stunde — Ulm ist von beiden das bessere Quartier für eine kurze Reise.
- Zu Fuß: das Stadion ist vom Bahnhof aus zu Fuß erreichbar, bergauf. Es liegt am Schlossberg, unterhalb von Schloss Hellenstein.
- Ticket und Nahverkehr: wie bei den meisten deutschen Stadien gilt die Eintrittskarte am Spieltag im Nahverkehr.
Tickets
Das deutsche Muster: kein Dokument verlangt, erst Dauerkarteninhaber und Mitglieder, freier Verkauf einige Wochen vorher. Beim Verein kaufen.
Fünfzehntausend Plätze sind das Lizenzminimum, und viel ist es nicht. Dagegen steht, dass Heidenheim eine kleine Stadt ohne bundesweiten Anhang ist, die Nachfrage also überwiegend örtlich plus dem jeweiligen Gast. Als mittelschwer behandeln: mit Planung zu bekommen, unmöglich, wenn ein großer Auswärtsanhang kommt und man es spät angeht.
Wo die Gästefans stehen
Gästefans bekommen den Anteil, den die Ligavorgaben verlangen, was in einem Fünfzehntausenderstadion ein spürbarer Teil des Ganzen ist. Die Regelung wird pro Spiel festgelegt, also für die eigene Partie prüfen. Neutrale nehmen eine Seitentribüne.
Das Stadion
Fünfzehntausend Plätze, in Etappen ausgebaut, während der Verein hochkam, an einem Hang mit Wald hinter einer Seite. Klein, ordentlich, reines Fußballstadion und vollkommen ohne Anspruch.
Die Lage ist die Sache. Sehr wenige Profistadien in Europa liegen an einem bewaldeten Hang unter einer mittelalterlichen Burg, und der Weg hinauf tut für den Nachmittag mehr als jede Architektur.
In die Kategorie der kleinen Stadien einsortieren, mit Paderborn, Osnabrück und Elversberg. Das sind die Partien, bei denen man wirklich nah am Fußball ist, und die, an die man sich erinnert.
Essen und Trinken im Stadion
Schwäbische Verpflegung, eine eigene Küche und besser als der deutsche Durchschnitt: Bratwurst und Currywurst wie überall, aber nach Maultaschen oder einer Seele fragen — dem langen, gesalzenen, mit Kümmel bestreuten schwäbischen Gebäck.
Das Bier ist in voller Stärke und von hier. Bezahlt wird mit der Stadionkarte: bei der Ankunft aufladen, danach auszahlen lassen. Auf Bechern liegt Pfand.
Heidenheim und die Schwäbische Alb vor dem Spiel
Was man sich ansehen kann
- Schloss Hellenstein — die Burg auf dem Berg direkt über dem Stadion, mit Blick über Stadt und Brenztal. Zwanzig Minuten zu Fuß vom Stadion und das Naheliegende vor dem Anpfiff.
- Die Schwäbische Alb — die Kalkhochfläche, auf der die Stadt liegt, voller Höhlen, Quellen und Wanderwege.
- Die Höhlen im Lonetal — eine kurze Fahrt entfernt und UNESCO-Welterbe. Hier wurde die älteste bekannte figürliche Kunst der Welt gefunden, darunter der Löwenmensch und eine rund vierzigtausend Jahre alte Figur aus Mammutelfenbein. Die Funde sind in Ulm und Blaubeuren zu sehen.
- Ulm — unter einer Stunde, mit dem höchsten Kirchturm der Welt, 161 Meter. Wer ein Wochenende daraus macht, bleibt dort.
Was man essen und trinken kann
- Maultaschen — in der Brühe oder geröstet mit Zwiebeln. Das Gericht der Region.
- Spätzle und Kässpätzle — pur zum Braten oder mit Käse und Röstzwiebeln überbacken.
- Zwiebelrostbraten — mit Röstzwiebeln, dunkler Soße und Spätzle.
- Most — der hiesige Apfelwein, der hier öfter getrunken wird als Bier, was Auswärtige überrascht.
Häufige Fragen
Stimmt der Trainerrekord?
Ja. Frank Schmidt ist seit September 2007 im Amt und hält den Rekord für die längste Amtszeit im deutschen Fußball. Er hat den Verein von der fünften Liga in die Bundesliga geführt.
Lohnt die Anreise?
Wer ein kleines, ehrliches Stadion in guter Landschaft mit einer Geschichte dahinter will: ja. Wer Lärm und Spektakel will, nimmt Dresden oder St. Pauli. Vorher mit sich selbst klären, welche Reise man antritt.
Wo soll ich übernachten?
In Ulm. Unter einer Stunde entfernt, für einen Abend erheblich besser, und das Münster ist den Umweg allein wert.
Wie ist der Vergleich mit Elversberg?
Das sind die beiden Kleinstadtgeschichten des deutschen Fußballs, und sie gehören zusammen auf eine Liste. Elversberg ist kleiner und derzeit bemerkenswerter; Heidenheim hat die längere Bilanz im Obenbleiben.
Fünfzehntausend Plätze an einem bewaldeten Hang unter einer Burg — und derselbe Trainer seit 2007. Setz die Voith-Arena auf deine Bucket List und übernachte in Ulm.
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