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Stadionguide

Energie Cottbus: Stadionführer für das Stadion der Freundschaft

Mehr als die Hälfte der 22.528 Plätze steht — und diese Seite nennt die dokumentierten Probleme des Vereins mit rechtsextremen Anhängern beim Namen.

8 Min. Lesezeit Fakten zuletzt geprüft am 30.08.2026
Kurz gefasst. Energie Cottbus spielt im LEAG Energie Stadion — den größten Teil seines Lebens das Stadion der Freundschaft — Kapazität 22.528, davon weniger als elftausend Sitzplätze. 2026 aus der 3. Liga aufgestiegen. Diese Seite enthält einen Abschnitt über die dokumentierten Probleme des Vereins mit rechtsextremen Anhängern, weil Besucher das vor der Entscheidung wissen sollten.
Weites Panorama im Cottbuser Stadion: niedrige offene Ränge mit roten Sitzen auf allen vier Seiten, auf der Gegenseite der Schriftzug ENERGIE, offene Ecken, verstreut Anhänger in Rot und darüber ein Sommerhimmel
Niedrige Ränge, offene Ecken und ENERGIE auf der Gegenseite. Weniger als elftausend der Plätze hier sind Sitzplätze. Foto von Sane, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.

Ein Name aus einem Land, das es nicht mehr gibt

Der Bau wurde als Stadion der Freundschaft eröffnet — genau die Art Name, die DDR-Sportstätten bekamen. Die meisten davon verschwanden nach 1990. Dieser blieb: Der kommerzielle Titel wechselt, und die Leute sagen weiterhin Stadion der Freundschaft.

Energie wurde 1963 gegründet und gehört zu den erfolgreicheren Ostvereinen der Nachwendezeit — eine kleinere Auszeichnung, als es klingt, aber eine echte. Der Klub war der erste ehemalige DDR-Verein in einem DFB-Pokalfinale, 1997. Er spielte von 2000 bis 2003 und von 2005 bis 2009 in der Bundesliga. Und am 6. April 2001 stellte er als erster Verein der Bundesligageschichte eine Startelf ausschließlich aus ausländischen Spielern auf — eine Tatsache, die man beim nächsten Abschnitt im Kopf behalten sollte.

Über den zweiten Platz der 3. Liga 2025/26 ging es zurück in die zweite Liga.

Was man vor der Entscheidung wissen sollte

Energie Cottbus hat ein dokumentiertes, langjähriges Problem mit rechtsextremen Aktivitäten in einem Teil des Anhangs. Das ist kein Gerücht und kein Ruf, sondern Aktenlage.

  • Ein antisemitisches Spruchband der Ultragruppe Inferno Cottbus 2005.
  • Ein abgesagtes Vorbereitungsspiel 2009 wegen einer geplanten rechtsextremen Demonstration.
  • Wiederholte Vorfälle zwischen 2012 und 2017 mit Hitlergrüßen, antisemitischen Gesängen und rassistischen Botschaften.
  • Anhänger in Kapuzen nach Art des Ku-Klux-Klan bei den Aufstiegsfeiern 2018.

Der Verein hat gehandelt: Inferno Cottbus wurde verboten, Kampagnen gegen Rassismus wurden geführt. Vorfälle gab es dennoch auch in jüngeren Jahren.

Die ehrliche praktische Einordnung. Die überwältigende Mehrheit der Menschen in diesem Stadion ist wegen des Fußballs da, die Ordner arbeiten professionell, und ein angereister Stadionsammler ist mit nichts davon gemeint. Aber wer Schwarz oder jüdisch ist, sichtbar aus dem Ausland kommt oder mit einer Partnerin oder einem Partner reist, auf die das zutrifft, sollte diese Aktenlage vor der Buchung abwägen können und nicht bei der Ankunft entdecken — und diese Serie lässt das nicht weg, damit eine Seite aufgeräumter aussieht.

Wer hinfährt: eine Seitentribüne statt einer Kurve nehmen, fremde Vereinsfarben bis nach dem Einlass in der Tasche lassen, und die Partie als eine behandeln, die etwas mehr Umsicht verlangt als Bochum oder Bielefeld. Das ist derselbe Rat, den diese Serie für Dresden gibt, und aus denselben Gründen.

Anreise

  • Mit dem Zug: Cottbus liegt rund neunzig Minuten von Berlin, und das Stadion ist vom Bahnhof aus eine kurze Fahrt oder ein Fußweg.
  • Aus Polen: Cottbus liegt nah an der Grenze. Zielona Góra und die Woiwodschaft Lebus sind gut erreichbar, was dies für Reisende aus Westpolen zu einem der zugänglichsten deutschen Stadien macht — näher als manches im Ruhrgebiet.
  • Ticket und Nahverkehr: wie bei den meisten deutschen Stadien gilt die Eintrittskarte am Spieltag im Nahverkehr.

Tickets

Das deutsche Muster: kein Dokument verlangt, erst Dauerkarteninhaber und Mitglieder, freier Verkauf einige Wochen vorher. Beim Verein kaufen.

Zweiundzwanzigtausend Plätze für einen Aufsteiger aus einer Stadt von rund hunderttausend Einwohnern heißt: Die meisten Partien sind unkompliziert. Besuche der reisefreudigeren Anhänge der Liga sind die Ausnahme.

Wo die Gästefans stehen

Gästefans bekommen einen eigenen Bereich mit dem Kontingent, das die Ligavorgaben verlangen, ein Teil davon Stehplätze. Die Regelungen werden hier pro Spiel festgelegt, und das Polizeiaufgebot liegt über dem Ligadurchschnitt. Prüfen, was für die eigene Partie gilt, statt es anzunehmen.

Das Stadion

Ein altmodisches ostdeutsches Stadion, in Etappen modernisiert statt neu gebaut. Von den 22.528 Plätzen sind nur 10.949 Sitzplätze — mehr als die Hälfte des Stadions steht also, einer der höchsten Anteile dieser Serie und vergleichbar mit St. Pauli und Osnabrück.

Das ist der Grund zu kommen. Große Stehränge in einem Bau dieses Alters erzeugen etwas, das ein neuer Kessel nicht liefert, und die Zahl solcher Stadien im europäischen Profifußball sinkt mit jeder Saison.

Essen und Trinken im Stadion

Brandenburgisch-lausitzer Verpflegung: Bratwurst, Currywurst, mit Glück Ketwurst — der DDR-Hot-Dog, eine Wurst in ein ausgehöhltes Brötchen geschoben — und Pils in voller Stärke.

Bezahlt wird mit der Stadionkarte: bei der Ankunft aufladen, danach auszahlen lassen. Auf Bechern liegt Pfand.

Die Lausitz vor dem Spiel

Die Seepyramide im Branitzer Park bei Cottbus: eine grasbewachsene Erdpyramide am Rand eines stillen Sees und darin gespiegelt, ringsum alte Parkbäume, im Vordergrund ein Weg und eine Brücke mit blauem Geländer
Die Seepyramide in Branitz — eine Erdpyramide, die Fürst Pückler im eigenen Park als sein Grab aufschütten ließ, im Wasser gespiegelt. Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland nicht. Foto von Eandré, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Was man sich ansehen kann

Cottbus liegt in der Lausitz, einer Region mit slawischer Minderheit, einer Braunkohlevergangenheit und einer merkwürdig gemachten Landschaft:

  • Der Branitzer Park — der Landschaftspark, den Fürst Pückler im neunzehnten Jahrhundert anlegte, mit zwei Erdpyramiden, von denen eine im See steht und die er als sein eigenes Grab errichten ließ. Kurze Fahrt vom Zentrum.
  • Die sorbische Frage — die Lausitz ist die Heimat der Sorben, eines slawischen Volkes mit eigener Sprache, die hier weiter unterrichtet wird und auf zweisprachigen Straßenschildern steht. Wer aus Polen oder Tschechien kommt, findet die Wörter beunruhigend vertraut.
  • Das Lausitzer Seenland — ehemalige Braunkohletagebaue, geflutet zur größten künstlichen Seenlandschaft Europas. Eine ganze Landschaft ausgegraben und dann mit Wasser gefüllt, innerhalb eines Menschenlebens.
  • Das Staatstheater — ein schöner Jugendstilbau mitten in der Stadt und das beste Gebäude von Cottbus.

Was man essen und trinken kann

  • Spreewaldgurken — aus dem Marschland nördlich von hier, herkunftsgeschützt und eine echte DDR-Ikone.
  • Leinöl mit Quark und Pellkartoffeln — der lausitzer und sorbische Standard.
  • Sorbische Hochzeitssuppe — klare Brühe mit Klößchen und Eierstich, zu Festen und in traditionellen Gaststätten.
  • Regionales Pils, und Spreewälder Brände, wenn man über Nacht bleibt.

Häufige Fragen

Soll ich hinfahren?

Das ist wirklich eine eigene Entscheidung, und der Abschnitt oben steht da, damit man sie treffen kann. Viele Gästefans erleben hier vollkommen gewöhnliche Nachmittage. Manche Reisende werden diese Aktenlage lesen und eine andere Partie wählen, was eine vernünftige Entscheidung ist, gegen die diese Seite nicht argumentiert.

Lohnt das Stadion rein fußballerisch?

Mehr als die Hälfte der Kapazität ist Stehplatz, in einem alten ostdeutschen Bau. Wer das sammelt: ja.

Wie leicht ist es aus Polen zu erreichen?

Sehr leicht. Cottbus liegt nah an der Grenze und ist aus Westpolen einfacher zu erreichen als die meisten deutschen Stadien.

Was ist die eine Sache, die man sehen muss?

Der Branitzer Park und die Pyramiden. Es gibt keinen anderen Park in Deutschland, in dem ein Fürst in einer Erdpyramide in einem See liegt.

Elftausend Stehplätze in einem Stadion, das weiterhin Stadion der Freundschaft heißt, und eine Pyramide im See die Straße runter. Setz Cottbus auf deine Bucket List — und lies vorher den Abschnitt oben.