Widzew Łódź: Stadionführer für das Stadion Widzewa
Das eine polnische Stadion ohne Fankarte — online kaufen geht wirklich. Nur eine Woche vorher, wenn die Restplätze freigegeben werden. Bahnhof am Tor.
Anreise
Für Anreisende mit der Bahn ist das das am besten angebundene Stadion Polens.
- Mit der Bahn: Der Bahnhof Łódź Niciarna liegt fünf bis zehn Gehminuten vom Stadion. Regionalzüge halten hier häufig aus Kutno, Łowicz, Skierniewice, Sieradz und Tomaszów Mazowiecki. Man steigt faktisch aus dem Zug und geht zum Spiel.
- Mit dem Bus: die Linien 54, 64, 75, 80 und 96 bedienen das Stadion.
- Mit dem Auto: Der Stadionparkplatz stand nicht zur Verfügung; der Verein hat kostenloses Parken für bis zu fünf Stunden am nahen CKD-Parkplatz organisiert. Die aktuelle Regelung vor der Fahrt prüfen.
Den Fahrschein vor dem Einsteigen kaufen und entwerten. Die Eintrittskarte gilt hier nicht im Nahverkehr. Kontrolliert wird, und Auswärtige werden nicht ausgenommen.
Tickets: was für Ausländer tatsächlich funktioniert
Widzew ist die Ausnahme, an der man sieht, wie viel das übrige polnische Ticketsystem auswärtige Fans kostet.
Hier gibt es kein Fankartensystem. Man braucht ein Konto auf der Ticketseite des Vereins und sonst nichts. Damit fällt die größte Hürde weg, auf die ausländische Besucher an polnischen Stadien treffen: das Feld PESEL, die polnische Personenkennziffer, an der bei den meisten anderen Vereinen der Kauf abbricht.
An ihre Stelle tritt ein Zeitproblem. Das Stadion ist faktisch an Dauerkarteninhaber ausverkauft, und die verbleibenden Plätze werden etwa eine Woche vor jedem Spiel öffentlich freigegeben. Das ist das Fenster. Wer es verpasst, hat bei dieser Stadiongröße keine Alternative an der Kasse.
Am Drehkreuz braucht man die Karte — gedruckt oder auf dem Telefon — und einen Lichtbildausweis: Personalausweis oder Reisepass. Den Pass mitnehmen.
Die Verbotsliste wird durchgesetzt: keine Pyrotechnik, kein Alkohol, keine großen Taschen, keine mitgebrachten Speisen und Getränke und keine Schirme mit spitzem Ende. Das letzte übersehen viele.
Wo die Gästefans sitzen
Der Gästeblock fasst 907 Plätze — ein bescheidenes Kontingent, und bei jeder Partie mit reisendem Anhang schnell weg. Die Kontingente werden pro Spiel nach Sicherheitseinstufung festgelegt, also die Regelung für die eigene Partie bestätigen lassen.
Neutrale zielen auf eine Seitentribüne und kaufen im Freigabefenster wie alle anderen.
Das Stadion
Das Stadion Widzewa wurde im März 2017 auf dem historischen Vereinsgelände im Osten der Stadt eröffnet. Es fasst 18.018 Zuschauer auf vier überdachten Tribünen, nah am Feld, ohne Laufbahn — ein moderner Bau für Fußball und kein umgewidmeter.
Die Größe ist der Punkt. Achtzehntausend für einen Verein mit Widzews Anhang heißt: Es füllt sich, und ein volles Stadion ist das, wofür man anreist. Über eine Erweiterung wird wiederkehrend gesprochen — die Art Problem, die die meisten Vereine gern hätten.
Die Geschichte gibt dem Besuch Gewicht: Widzew wurde in den Achtzigern polnischer Meister und stand 1983 im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister, nachdem der Verein unterwegs ernstzunehmende Mannschaften geschlagen hatte. Danach fiel er weit — durch die Ligen bis in die Insolvenz — und kam zurück. Die Anhänger hier erinnern sich an beide Hälften, und man merkt es auf dem Rang.
Essen im Stadion
Besser als der polnische Durchschnitt. Es gibt Foodtrucks, Bars und Vereinsshops sowohl vor den Tribüneneingängen als auch im Stadion, statt des einzelnen Kiosks, den manche Orte bieten. Die Grundlagen sind die landesüblichen: kiełbasa vom Grill im Brötchen mit Senf, zapiekanka, Hot Dogs, Pommes.
- Bier ist per polnischem Gesetz auf 3,5 % gedeckelt, und die Verfügbarkeit hängt von der Sicherheitseinstufung der Partie ab.
- Karte mitnehmen. Von bargeldlos ausgehen.
- Keine mitgebrachten Speisen und Getränke — das wird hier durchgesetzt, also vorher essen oder drinnen kaufen.
Łódź vor dem Spiel
Was man sich ansehen kann
Łódź ist Polens große Industriestadt und der am meisten unterschätzte Ort des Landes für ein Wochenende. Sie wurde im neunzehnten Jahrhundert auf Textilien gebaut, brach mit ihnen zusammen und hat zwei Jahrzehnte damit verbracht, die Trümmer in etwas anderes zu verwandeln. Für deutsche Leser lohnt der Hinweis, dass die Stadt bis 1945 stark deutschsprachig geprägt war — ein erheblicher Teil der Fabrikantenfamilien, deren Häuser unten stehen, kam aus deutschen Textilregionen.
- Die ul. Piotrkowska — eine der längsten Geschäftsstraßen Europas, über vier Kilometer mitten durch die Stadt, gesäumt von den Bürgerhäusern der Fabrikbesitzer und heute von den meisten Bars und Restaurants.
- Manufaktura — ein Textilfabrikkomplex des neunzehnten Jahrhunderts, in ein riesiges Kultur- und Einkaufsviertel umgebaut. Was auch immer man von Einkaufszentren hält: Die Dimension dieser Backsteinarchitektur ist sehenswert.
- Księży Młyn — ein erhaltenes Fabrikviertel aus Arbeiterhäusern, Fabrikbauten und dem Palast eines Fabrikanten. Hier ist die Geschichte der Stadt am deutlichsten.
- Der Einhornstall — eine Straßenbahnhaltestelle bei Piotrkowska und Zielona, als Kunstwerk gestaltet, mit einer Einhornskulptur daneben. Eine Kleinigkeit, und sehr Łódź.
Was und wo man isst
Łódź hat ein eigenes Gericht, und es kommt aus den Fabriken:
- Zalewajka — eine Suppe aus gewürfelten Kartoffeln, überflutet mit saurem Roggensauerteig, meist mit Wurst und getrockneten Pilzen. Sie ist im neunzehnten Jahrhundert um Łódź und Radomsko belegt, war das, was Fabrikarbeiter zu jeder Tageszeit aßen, und ist bis heute das Gericht, mit dem sich die Stadt identifiziert. Vor allem anderen bestellen.
- Prażoki — eine Beilage aus Kartoffeln und Mehl, die hier auf traditionellen Karten zum Fleisch auftaucht.
- Pierogi — in Łódź eigens bestellenswert, weil mehrere Küchen sie mit Gans oder Lamm füllen statt mit den drei Standardfüllungen.
Wo: Die Restaurants konzentrieren sich an und knapp neben der Piotrkowska. Küchen, die ausdrücklich Łódźer und nicht allgemein polnisches Essen machen, sind unter anderem Piwnica Łódzka und Imber, letzteres mit einer jüdisch-Łódźer Karte, die abbildet, wer diese Stadt tatsächlich gebaut hat. Wie immer bei genannten Restaurants: vorher prüfen, ob sie noch geöffnet haben.
Häufige Fragen
Brauche ich wirklich keine Fankarte?
Bei Widzew nicht — ein Konto auf der Ticketseite des Vereins reicht. Das ist in Polen wirklich ungewöhnlich und der Grund, warum dieses Stadion ein guter erster polnischer Haken ist.
Wann genau kommen die Karten in den Verkauf?
Rund eine Woche vor der Partie, sobald die Dauerkartenplätze freigegeben sind. Die Ticketseite des Vereins beobachten, statt auf eine allgemeine Ankündigung zu warten.
Womit lässt sich Łódź kombinieren?
Sehr gut. Die Stadt liegt in der Mitte des Landes mit schnellen Zügen nach Warschau und guten Verbindungen nach Süden und Westen, also der natürliche zweite Halt auf fast jeder polnischen Route.
Ein Stadion mit einem Bahnhof am Tor ist die Art Partie, die aus einem freien Samstag einen Haken macht. Setz Widzew auf deine Bucket List und behalte das Freigabefenster im Auge.
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