Baník Ostrava: Stadionführer für das Městský stadion in Vítkovice
Kohle, Stahl und Werkssiedlungen: Wer das Ruhrgebiet kennt, erkennt Ostrava sofort — samt Hüttenwerk mitten in der Stadt, auf das man steigen kann.
Das Revier, noch einmal
Ostrava ist der Ort dieser Reihe, an dem sich ein deutscher Besucher am schnellsten zurechtfindet, und zwar aus einem unerwarteten Grund: Die Stadt ist gebaut wie Bochum, Gelsenkirchen oder Essen. Kohle, Stahl, rote Werkssiedlungen, ein Verein mit Bergbaugeschichte im Wappen des eigenen Selbstverständnisses — und dreißig Jahre Arbeit daran, aus stillgelegter Industrie etwas zu machen, das man besuchen kann.
Geografisch gehört Ostrava zum oberschlesischen Steinkohlenbecken, das an der Grenze nicht aufhört: Es zieht sich von Kattowitz und Zabrze nach Südwesten nach Tschechien hinein, und Ostrava ist seine tschechische Hauptstadt. Von Kattowitz sind es ein paar Stunden. Wer ohnehin eine schlesische Runde plant, hängt hier ein zweites Land an, ohne die Region zu wechseln.
Tickets
Tschechische Vereine betreiben für gewöhnliche Ligaspiele kein Fankartensystem, und nach einer Personenkennziffer wird beim Kauf nicht gefragt. Ein Gegenstück zur polnischen PESEL-Hürde gibt es nicht, und die deutsche Warteschlange hinter Mitgliedern auch nicht. Online oder am Stadion kaufen, mit Karte oder bar zahlen.
Die Preise sind selbst für tschechische Verhältnisse niedrig. Für ein gewöhnliches Spiel muss man hier nicht Wochen im Voraus planen — ein Spiel gegen Sparta oder Slavia ist etwas anderes, und Baníks Anhang ist groß genug, den Platz zu füllen.
Hinkommen
Das Stadion liegt an der Závodní 3077/135 in Ostrava-Vítkovice, südöstlich des Zentrums.
- Ab Ostrava Hauptbahnhof: die Tram 2 fährt alle zehn Minuten bis Sport Aréna — fünfzehn Haltestellen, etwa zweiundzwanzig Minuten.
- Mit dem Auto: Parkplätze gibt es an der Ostravar Aréna, rund 300 Meter entfernt, Zufahrt über die Závodní.
- Aus Deutschland: Ostrava ist das entfernteste Stadion dieser Reihe — über Prag oder über Wien und Breslau. Es lohnt sich als Teil einer längeren Route, nicht als Wochenendausflug.
Wo die Gästefans sitzen
Gästefans kommen in die Sektoren C1 bis C3 auf der Nordtribüne, ein Kontingent von 858 Plätzen. Wie überall wird die Regelung pro Partie nach der Sicherheitskategorie festgelegt — das eigene Spiel erfragen.
Neutrale sollten nach einer Seitentribüne fragen.
Das Stadion und das Publikum
Baník zog vor der Saison 2015/16 nach einer großen Sanierung dauerhaft in das städtische Stadion in Vítkovice. Es fasst 15.123 Zuschauer und liegt in einem größeren Sportkomplex.
Eines vor dem Kauf klarstellen: Das hier ist ein Leichtathletikstadion. Zwischen Tribünen und Rasen liegt eine vollständige Laufbahn, man sitzt also weiter vom Fußball entfernt als in jedem anderen Stadion dieser Reihe. Hier findet die Zlatá tretra statt, eines der führenden internationalen Leichtathletikmeetings — deshalb ist die Bahn da, und deshalb verschwindet sie nicht.
Wer deutsche Stadien gewohnt ist, die eng an der Seitenlinie stehen, sollte die Erwartung an die Sicht anpassen. Wer das Berliner Olympiastadion kennt, kennt den Kompromiss bereits.
Der Grund herzukommen ist nicht die Architektur und nicht die Sichtlinie. Baník hat eine der organisiertesten und hingebungsvollsten Anhängerkulturen im tschechischen Fußball — Choreografien, durchgehender Gesang, und eine Identität, die mit der Bergbaugeschichte der Stadt verschweißt ist, wie es immer seltener wird. Das ist ein Arbeiterverein in einer Arbeiterstadt, und die Tribüne klingt danach.
Wenn möglich, eine Partie wählen, die zählt. Ein volles Vítkovice ist ein erheblich besserer Nachmittag als ein halbleeres, und der Unterschied ist hier größer als anderswo.
Essen und Trinken im Stadion
Tschechische Stadionküche: klobása vom Grill, langoš, und Lager in voller Stärke — das tschechische Recht deckelt Stadionbier nicht bei 3,5 % wie das polnische, was Besuchern aus Polen sofort auffällt.
- Drinnen so billig wie draußen.
- Manche Stadien nutzen an den Ständen ein Chip- oder Kartensystem. Beim Hereinkommen auf die Schilder achten.
Ostrava vor dem Spiel
Was man sehen sollte
- Dolní Vítkovice — und das ist kein optionaler Zusatz. Ein riesiges ehemaliges Hüttenwerk mitten in der Stadt, mit erhaltenen Hochöfen, Gasbehältern und Rohrleitungen, umgebaut zu Galerien, Konzerträumen und einem Science Center. Den Hochofen kann man besteigen. Was Zollverein für das Ruhrgebiet ist, ist Dolní Vítkovice für Ostrava — nur dass hier das Hüttenwerk und nicht die Zeche erhalten wurde. Einen halben Tag einplanen.
- Das Bergbaumuseum Landek — eine ehemalige Zeche am Stadtrand mit Untertageführung, nordwestlich des Zentrums.
- Stodolní — eine einzige Straße mit einer berühmten Dichte an Bars und Clubs. Ostravas Ruf für Nachtleben in Tschechien beruht fast vollständig auf ihr.
- Masarykovo náměstí — der Hauptplatz, und der Ort zum Essen, bevor man zum Stadion hinausfährt.
Was man isst und trinkt
- Svíčková na smetaně — Rind in Rahmsauce mit Semmelknödeln und Preiselbeeren.
- Guláš mit Knödeln, und smažený sýr — frittierter Käse mit Remoulade.
- Utopenec und nakládaný hermelín — eingelegte Wurst und eingelegter Weichkäse, das, was Tschechen zum Trinken essen.
Beim Bier ist dies Radegast-Land — die Brauerei liegt in den Beskiden südlich der Stadt, und das Lager ist hier der regionale Standard. Traditionelle Kneipen rund um den Masarykovo náměstí schenken es frisch aus; nach tankové pivo fragen, wo eine Kneipe damit wirbt.
Häufige Fragen
Lohnt sich die Fahrt aus Deutschland?
Als eigenes Wochenende eher nicht — Ostrava liegt weit. Als letzter Halt einer Route durch Tschechien oder als Verlängerung einer schlesischen Runde ab Kattowitz: unbedingt.
Ist der Ticketkauf wirklich leichter als in Polen?
Ja. Keine Fankarte, keine Personenkennziffer, kein Zwang zum Kassenhäuschen bei einem gewöhnlichen Spiel.
Brauche ich eine andere Währung?
Ja, und auf dieser Route wird das gern vergessen. Tschechien zahlt in tschechischen Kronen, nicht in Euro und nicht in Złoty. Karten funktionieren fast überall, aber das Bargeld in der Tasche nützt nichts.
Welche Partie soll ich wählen?
Eine, die den Platz füllt. Das Publikum ist hier die Attraktion, und es braucht einen Anlass.
Ein Revier, zwei Länder, und ein Hüttenwerk mitten in der Stadt, auf das man steigen kann. Setz Ostrava auf deine Bucket List und häng es an eine schlesische Runde.
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